{"id":4459,"date":"2022-01-19T10:59:01","date_gmt":"2022-01-19T09:59:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unternehmerverbaende-rhein-wupper.de\/?post_type=event_listing&#038;p=4459"},"modified":"2022-01-19T11:24:01","modified_gmt":"2022-01-19T10:24:01","slug":"presseerklaerung-von-andreas-tressin-zu-den-home-office-plaenen-von-arbeitsminister-heil","status":"publish","type":"event_listing","link":"https:\/\/www.unternehmerverbaende-rhein-wupper.de\/?event_listing=presseerklaerung-von-andreas-tressin-zu-den-home-office-plaenen-von-arbeitsminister-heil","title":{"rendered":"Presseerkl\u00e4rung von Andreas Tressin zu den Home-Office-Pl\u00e4nen von Arbeitsminister Heil"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Unternehmerverb\u00e4nde Rhein-Wupper hat die Home-Office-Pl\u00e4ne von Arbeitsminister Heil zu einem Rechtsanspruch auf Home-Office aufs Sch\u00e4rfste kritisiert. Immer neue Beschr\u00e4nkungen und Einschr\u00e4nkungen gegen die Wirtschaft m\u00f6gen vor allem bei den SPD-Politikern popul\u00e4r sein, sie f\u00fchren aber im Ergebnis zu immer mehr Belastungen und B\u00fcrokratismus und damit zu immer weniger Produktivit\u00e4t in den Unternehmen. Ein zwingendes Regulierungsmandat des Arbeitsministers kann Tressin in der gelebten betrieblichen Praxis jedenfalls nicht erkennen, ebenso wenig ist der suggerierte Generalverdacht gerechtfertigt, die Arbeitgeber w\u00fcrden sich gegen alles und jeden beim Home-Office wehren. Das Gegenteil ist der Fall. Der Zahlen-Daten-Fakten-Check bei allen im Oktober 2021 vom Ifaa (Institut f\u00fcr angewandte Arbeitswissenschaft) analysierten Studien belegt n\u00e4mlich die Kernaussage, dass sich der Home-Office-Anteil unter den abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten 2021, mehr als verdoppelt haben d\u00fcrfte und die Arbeitgeber diese Form der Arbeit in den n\u00e4chsten Jahren zumindest phasenweise beibehalten wollen.<\/p>\n<p>Richtig ist, dass es gro\u00dfe Unterschiede bei der Umsetzung hinsichtlich der jeweiligen Betriebsgr\u00f6\u00dfe gibt. So sind Betriebe mit weniger als 50 Besch\u00e4ftigen beim Ausbau eher zur\u00fcckhaltend, von ihnen tendiert nur etwa jeder f\u00fcnfte Betrieb wegen mangelnder Umsetzbarkeit zu mehr Home-Office. Anders bei den gro\u00dfen Firmen: Dort wollen knapp zwei Drittel mehr Home-Office als in der Zeit vor der Pandemie anbieten.<\/p>\n<p>Heil k\u00fcndigt einen modernen Ordnungsrahmen an, um mehr Flexibilit\u00e4t zu schaffen, und zwar nicht nur dauerhaft, sondern sogar auch mit der Option f\u00fcr jeden Arbeitnehmer gelegentlich von zuhause zu arbeiten. Der Arbeitsminister greift damit tief in die Arbeitsabl\u00e4ufe und Strukturen der Betriebe ein. Zur Begr\u00fcndung will er rechtlich Klarheit schaffen. Ich prophezeie, dass ihm dies nicht gelingen wird. Im Ergebnis sind n\u00e4mlich passgenaue individuelle L\u00f6sungen gefragt, die man aber ausschlie\u00dflich im Betrieb findet und die im Gesetz in der ganzen Bandbreite m\u00f6glicher Organisationskonzepte gar nicht abbildbar sind. So wissen wir z.B. im Moment bei der Umsetzung der drei gro\u00dfen \u201eDs\u201c (Dekarbonisierung, Digitalisierung und demografischer Wandel) doch gar nicht, wie die k\u00fcnftigen Wertsch\u00f6pfungsketten und damit die Organisationsstrukturen einschlie\u00dflich der hierf\u00fcr erforderlichen neuen Techniken und Anforderungsprofile \u00fcberhaupt aussehen sollen. Hinzu kommt, dass die L\u00fccke zwischen Ruhest\u00e4ndlern und neuen Arbeitskr\u00e4ften auf dem deutschen Arbeitsmarkt laut einer aktuellen IW-Erhebung deutlich steigt. So sollen allein in diesem Jahr \u00fcber 300.000 Personen mehr in den Ruhestand gehen, als in den Arbeitsmarkt eintreten; bis 2030 summiert sich die demografische L\u00fccke am Arbeitsmarkt auf 5 Millionen Menschen. Wie soll das vorhandene Arbeitsvolumen in dieser Gemengelage dann \u00fcberhaupt noch effizient und produktiv organisiert werden. Noch schwieriger wird es, wenn den Arbeitnehmern zus\u00e4tzlich das Recht einger\u00e4umt werden soll, m\u00f6glicherweise sogar nur gelegentlich von zuhause aus zu arbeiten. Wie will ein Arbeitgeber in diesen Strukturen die Aufrechterhaltung der Lieferketten gegen\u00fcber seinen Kunden garantieren bzw. wie soll er kurzfristig Vakanzen bei Krankheit und Urlaub kompensieren. Sollen etwa all die vorgenannten Sachverhalte im Streitfall verbindlich von den Arbeitsgerichten ggf. \u00fcber den gesamten Instanzenweg entschieden werden? Ein individueller Anspruch f\u00fcr den einzelnen Arbeitnehmer w\u00fcrde nach alledem die personalpolitische und arbeitsorganisatorische Balance in der betrieblichen Praxis und damit auch den Betriebsfrieden massiv gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p>Ich kenne im \u00dcbrigen keinen Arbeitgeber, der bei entsprechender Eignung des Arbeitsplatzes und des Arbeitnehmers ein Home-Office dann auch nicht umsetzt. Bei wieder streitenden Interessenlagen muss es jedoch aus den vorgenannten Gr\u00fcnden der unternehmerischen Entscheidung vorbehalten bleiben, wo Besch\u00e4ftigte ihre Arbeitsleistung erbringen.<\/p>\n<p>Nach Auffassung von Tressin ist das ganze Thema nicht zuletzt auch deshalb so emotional, weil der Arbeitsminister ohne sachlich gerechtfertigte Gr\u00fcnde massiv in die grundrechtlich gesch\u00fctzte Vertragsfreiheit eingreift, die es den Vertragsparteien gestattet, nicht nur Vertr\u00e4ge abzuschlie\u00dfen oder auch nicht, sondern auch den Erf\u00fcllungsort der Arbeitsleistung zu vereinbaren.<\/p>\n<p>Offensichtlich hat die Halbwertzeit des ausgerufenen Konsensmodells der Ampel eine nur ganz kurze Dauer. Im Arbeitsrecht jedenfalls scheint man sich schon jetzt \u00fcber die Deutungshoheit von Koalitionsvereinbarungen zu streiten. Heil will ganz offensichtlich mit seiner Forderung das urspr\u00fcngliche Parteiprogramm der SPD durchsetzen. Jedenfalls sieht der Koalitionsvertrag nicht die Schaffung eines Rechtsanspruches, wie von der SPD vor den Wahlen gefordert, vor, sondern lediglich einen Er\u00f6rterungsanspruch. Das Arbeitsrecht soll damit zum Pr\u00fcfstein dar\u00fcber werden, welche ordnungspolitische Richtung die Ampel bei der Umsetzung der drei gro\u00dfen \u201eDs\u201c eingehen will. Konkret: Mehr Regulatorik und damit B\u00fcrokratie wie vom Arbeitsminister gefordert, oder mehr Anreize f\u00fcr Eigeninitiative und betriebliche Gestaltungsfreiheit der Betriebsparteien. Die Beratungs- bzw. Umsetzungspraxis zeigt jedenfalls, dass Home-Office nur dann \u201estressfrei\u201c funktioniert, wenn sich sowohl f\u00fcr den Arbeitgeber als auch f\u00fcr den Besch\u00e4ftigten Vorteile ergeben und die Effizienz und Produktivit\u00e4t nicht leidet. Das k\u00f6nnen und sollten jedoch nicht die Arbeitsgerichte, sondern ausschlie\u00dflich die Betriebsparteien pr\u00fcfen und einvernehmlich organisieren. Denn zu viele betriebliche Faktoren spielen bei der Frage, ob die Einf\u00fchrung von Home-Office sinnvoll ist, eine Rolle \u2013 das gilt auch und insbesondere f\u00fcr die derzeit noch unsichere Befundlage zur Produktivit\u00e4t: Sie ist n\u00e4mlich schwierig zu messen, es gibt wenig standardisierte Messinstrumente und die subjektive Sicht der Befragten ist zwischen Besch\u00e4ftigtensicht und der Sicht der F\u00fchrungskr\u00e4fte mehr als heterogen. Unstreitig d\u00fcrfte sein, dass die Gew\u00e4hrleistung von pers\u00f6nlichem Austausch und St\u00e4rkung des Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchls letztlich nur aus Begegnungen und Zusammenarbeit vor Ort resultieren kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Unternehmerverb\u00e4nde Rhein-Wupper hat die Home-Office-Pl\u00e4ne von Arbeitsminister Heil zu einem Rechtsanspruch auf Home-Office aufs Sch\u00e4rfste kritisiert. 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